Was ist astrologische Homöopathiei?

 

"Was wirklich wichtig ist,
wird nicht bewiesen,
sondern bezeugt."
(Nicolas Gómez Dávila)

 

Wir leben in einer Gegenwart, in der die Umwelt zunehmend objektiviert wird. Dies geht einher mit der inflationären Bildung von Begriffen und Regelungen über die Welt. Menschen, die sich dem unreflektiert aussetzen, neigen dazu, die objektive Welt für real und wirklich zu halten; zudem reagieren sie emotional bis psychotisch, wenn diese Wirklichkeit in Abrede gestellt wird.
Umso mehr gilt das philosophische „Höhlengleichnis“ der antiken Philosophieii.

Nun soll an dieser Stelle kein philosophischer Diskurs über Wirklichkeit entstehen – denn das Thema dieser Seite ist Gesundheit und sinnvolles Dasein.

Solche Fragen stellen sich für einen Menschen eher nicht, wenn er eingetaucht ist in Prozesse als Glied in einem sozialen System. Sie können dann auftauchen, wenn die Kontinuität des Lebens durch Erkrankung oder Ereignisse unterbrochen wird. Werden (gesellschaftliche, soziale) Funktionen des Menschen eingeschränkt, dann wird er zurückgeworfen auf sein Dasein – spätestens dann kann er seiner Eigenart begegnen, seiner Individualität, mit den Fragen: Wie kann ich Dasein?, Wer bin ich?, Warum bin ich da?, Wohin gehe ich?, Wo komme ich her? Es ist eine Krise, die zu ihrer Zeit eine Neubewertung der individuellen Gestalt des eigenen Daseins fordert.

Diejenigen, die nicht sehr anfällig sind für übertragene Fremdinformationen, haben sich schon immer um die Sicht der Gestalt der Welt bemüht.

Andere, die sich einen Zugang zu ihrem Empfinden bewahrt haben, wissen oder ahnen, daß das Wesentliche jenseits der Zeichen des Realen lebt.

 

Möchte man nicht akzeptieren, daß das Dasein eine zufällige Ansammlung von Fakten ist, deren Zweck nur in der Ausübung von Funktionen liegt, tut man gut daran, seinen eigenen Weg zu suchen. (Eine große Menge an kritischen Betrachtungen und Untersuchungen zum Thema Wissenschaft und Wirklichkeit findet sich bei Werner G. Petschkoiii: „Wertlogik für Anfänger“ u.v.m.)

Erfährt man Einschränkungen, Ungemach, Begrenzungen, Unglück oder Krankheit – wer will glauben, daß das einfach Pech sei, zufälligen unglücklichen Umständen geschuldet, daß das alles einer notwendige zwangsläufigen Verkettung von Sachverhalten zuzuschreiben sei, ohne Sinn und Bedeutung, letztendlich zufällig und bedeutungslos in Entstehung und Ziel?!
Die Krönung der Behauptungen würde es dann sein, daß, wenn die unglücklichen Umstände sich nicht auf Pech zurückführen ließen, daß man folglich selbst schuld sei. Die Welt der Kausalitäten bietet sehr viele Ansatzpunkte, man hätte vieles anders machen können.

 

All solche kausalen Erklärungen mögen richtig sein, doch sie sind in Hinsicht auf einen individuellen Sinn unwesentlich. Wenn man schon leiden muß, dann soll das doch wenigstens einen Sinn haben, wenn nicht gar zu einem Zuwachs an Daseinsqualität führen, oder?!

 

In der Astrologie (insbesondere in der Form der Münchner Rhythmenlehreiv) geht man von Ideen und Werten aus: daß alle gegebene Wirklichkeit einer Quelle entspringt; Sinn bedeutet, gemäß der Gestalt seines Ursprungs dazusein; Dasein ist eine Erscheinung von Zeit, deshalb besteht das Dasein aus Rhythmen , deshalb auch ist Dasein zu bestimmten Zeiten für das Subjekt schwierig.

 

Inhalte des individuellen Daseins sind zum Teil widersprüchlich. Im Subjekt führen die verschiedenen Inhalte mitunter zu Verletzungen. Wie zum Beispiel das Bedürfnis nach Selbstdurchsetzung und das Bedürfnis nach seelischer Übereinstimmung gleichzeitig befriedigen? Um mit den Widersprüchlichkeiten umzugehen braucht es Vernunft, Verdrängung des einen oder des anderen, oder Bewußtsein.

 

Aber auch mit objektiven Anlagen kann es schwierig sein, denn diese können mit subjektiven Anlagen in Konflikt geraten. Fühlt sich eine Anlage etwa der andauernden kreativen Fülle im Strom der Wirklichkeit verpflichtet, so kann sich das subjektive Bedürfnis nach Beständigkeit, Ordnung und Sicherheit angegriffen fühlen.

Oftmals wird dann ein fauler Kompromiss gesucht: Man gibt das eine vor, um das andere zu erreichen. So kann zum Beispiel ein Beamter die Vertretung eines Gesetzes betreiben, um (vielleicht unbewußt) einen persönlichen Gegner oder seine Neurose zu bekämpfen.

 

Insgesamt sind die objektiven Inhalte für das Subjekt oft problematisch, man möchte sie erst gar nicht akzeptieren, denn sie erfordern die Trennung des Subjektiven vom Objektiven. Diese Trennung ist unbequem, sie erfolgt meist nicht freiwillig, sie bedeutet Leid, Einschränkung und oftmals Ausgrenzung, wenn unerwünschte Inhalte durchbrechen. Denn Kollektive wollen das Subjektive in ihrer geschlossenen Welt verwalten, ohne durch den „Geruch“ von Äußerem beängstigt werden.

 

Das Subjekt alleine – in Hinsicht auf sein Subjekt-Sein - ist einfach, es möchte ewig sein, in Wohlstand und Erfüllung. Die Gleichzeitigkeit von unterschiedenen Subjekten ist gefügt in einem zeitlichen Gesamtzusammenhang mit einer immanenten Ordnung. Dem Menschen erscheint der Ausdruck von Dasein nicht immer optimal. Daher leiten wir die Notwendigkeit des Daseins und des Wirkens des Menschen ab - im Sinne, als Bestandteil und als eine Bestimmung des Daseins. Daher auch unser Ringen um das Gewissen, das uns Handlungs- und Daseinsformen nahelegt, die der immanenten Ordnung entsprechen.

 

So gerät man mit der Astrologie in ein System aus Inhalten und Werten, das als Gefüge Sinn macht, und das erlaubt, Schlüsse zu ziehen. Ihre Ordnung und ihr Symbolcharakter ermöglichen es, weit über die Ideologien einer jeweiligen Gegenwart hinauszuschauen.

Astrologie in diesem Sinn - und insbesondere in Hinsicht auf die Heilkunst - hat immer ein Prinzip des Daseins zum Ziel: die Gestalt des individuellen Seins im Werden und Vergehen zu fördern.

 

In diesem Sinn bietet Astrologie ein zweckmäßiges Verfahren zur Gesamtschau in der Heilkunst.

Sie bildet einen Rahmen, der die Möglichkeiten und Grenzen der Heilkunst aufzeigen kann.

Die Grenzen der astrologischen Heilkunst sind begründet im Ursprung der individuellen Gestalt der Person mit ihrer Verwebung in die Gegenwart.

 

So können inhaltlich gegensätzliche Anlagen gesehen und in der homöopathischen Therapie gleichzeitig berücksichtigt werden. Die homöopathische Therapie versteht sich hier als psychosomatische Unterstützung eines Wandlungsprozesses gemäß der Bestimmung der Person. Wesensfremde Manipulationen sollen hier zu vermindern sein, denn das Wesen der Homöopathie beruht auf der Resonanz des Ähnlichen.

 

Die Widmung dem Prinzip des Daseins gebietet klare Grenzen. In der astrologischen Homöopathie soll es keine Manipulationen geben, die die Gestalt des Daseins verletzen würden. So wäre die Klonung eines Menschen unethisch, auch eine Brustvergrößerung oder eine Prothese werden als problematisch bewertet, das Schicksal hat hier noch Wert, genauso das Altern, eher als Krankheitssymptom würde man das Jungbleiben der Alten bewerten.

Aber klar ist auch, als einer, der sein Subjekt heiligt, findet man kaum Erlösung.

 

Das bedeutet, es macht einen Unterschied, ob eine Erkrankung eine altersbedingte Minderung der Existenz ist; ob sie auf einer irreversiblen Verhinderung des Daseins besteht – in diesen Fällen kann es aus astrologisch homöopathischer Sicht keine körperliche Heilung geben – nur Linderung und Annehmen.

Jedoch sind viele körperliche Symptome vielerlei Art Erscheinungen von Wandlung und Veränderung, sind zeitlich bestimmt, gemäß den Rhythmen des Lebendigen – hier kommt es darauf an Zeit zu haben, die Zeit der Wandlungen zu überstehen und erfolgreich zu bewältigen, ohne allzu viel Schaden zu nehmen.

 

Die astrologischen Homöopathie sieht sich in der Rolle des exterritorialen Mentors, der bemüht ist, die Gestalt des Individuums, trotz wechselnder Umstände und Definitionen von Realität, im Dasein zu unterstützen.

Genauso wie die klassische Homöopathie betrachtet auch die astrologische Homöopathie medizinische Diagnosen, wegen dem hohen Maß an Verallgemeinerung und Abstrahierung, nur als sekundäre Informationsquelle – jedoch sind der astrologischen Homöopathie auch reine Sammlungen der Beschreibungen von Phänomenen der Erscheinungswelt (der klassischen Homöopathie) allein zu vordergründig und nicht umfassend genug – genauso wie deren jeweilige kollektiven psychologischen Kategorien. Deshalb sucht die astrologische Homöopathie die Gesamtschau des individuellen Bildes der Zeit in Form des Horoskops.

 

In der astrologischen Homöopathie wird auch die Tradition der Alchemie weitergeführt. Ebendies könnte eine gesuchte Unabhängigkeit von Wissenschaft und anderen Strömungen des Zeitgeistes gewähren, mit dem Ziel, das Individuum in seinem Dasein zu unterstützen.

Gemäß dieser Tradition findet zur psychosomatischen Unterstützung ein Fundusv von homöopathischen Mitteln Anwendung, wie sie von der Münchner Rhythmenlehre erarbeitet wurden. Diese Mittel werden je nach Bedarf modifiziert oder erweitert.

 

 

© Daniel Menz

 

 

 

#### Anmerkungen:

 

i Der Titel könnte den Eindruck erwecken, es gäbe eine "offizielle" Definition von Astrologischer Homöopathie. Dies ist aber keineswegs der Fall, und wenn überhaupt, hätte diese vom Erschaffer der modernen Astrologie - Wolfgang Döbereiner - beigetragen worden sein sollen. Es ist wohl anzunehmen, daß er dies abgelehnt hätte, wenn Grund zur Befürchtung bestünde, die Astrologische Heilkunde könne in die Systeme der herrschenden Wissenschaft geraten. Die hier gemachten Aussagen beziehen sich auf eine Astrologische Homöopathie, so, wie sie hier von uns gesehen wird.

 

ii Platons Höhlengleichnis: https://de.wikipedia.org/wiki/Höhlengleichnis

 

iii Werner G Petschko: http://gleichsatz.de/b-u-t/archiv/podcast.html

 

iv Wolfgang Döbereiner: Münchner Rhythmenlehre (Bücher: http://www.doebereiner.com/index.php?id=19)

 

v Wolfgang Döbereiner: Astrologisch-homöopathische Erfahrungsbilder zur Diagnose und Therapie von Erkrankungen